

Die
Rangordnung - oft zitiert, jedoch selten verstanden!
Wir Menschen bevorzugen das Leben in einer Demokratie, das Ausdiskutieren
verschiedener Möglichkeiten, die ständige Infragestellung und
Überprüfung vorhandener Regeln...
Der
Hund braucht eine feste Rangordnung - er kann ohne sie nicht sicher leben!
Dieser Grundsatz wird oft nicht beachtet. Aus Sicht des Hundes ist das eine
Katastrophe, denn ihm fehlt der absolut notwendige "Rudelführer"!
Ihm fehlt eine starke Persönlichkeit, die "das Leben im Griff
hat", alle schwierigen Situationen problemlos meistert... - das "Alphatier",
welches das Rudel sicher führt. Übernimmt der Mensch diese wichtige
Aufgabe nicht, dann versucht der Hund diesen Job zu übernehmen. Hunde
tun dies meist nicht gerne und sind damit auch ständig überfordert.
So entstehen unsichere, frustrierte Hunde ohne Grundvertrauen und ohne Selbstbewußtsein.
Die
Rangordnung in einem unter natürlichen Bedingungen lebenden Hunderudel:
Hier leiteten die stärksten Hunde (Rüde oder Hündin), die sogenannten
"Alphatiere", das gesamte Rudel. Häufig herrscht noch die Meinung,
dieses seien die aggressivsten und "gewalttätigsten" Hunde
- was für ein Irrtum!
Das Rudel wird geführt durch die intelligentesten, konsequentesten und erfahrensten Hunde. Diese sind sehr gelassen, lassen sich schwer provozieren, haben eine hohe Reizschwelle - sind also insgesamt recht "cool"! Wichtige Entscheidungen treffen diese Alphatiere und die übrigen Hunde schließen sich vertrauensvoll an. Die Mitglieder des Rudels werden also geführt (geleitet) und nicht durch eine Gewaltherrschaft unterdrückt oder ständig erniedrigt!
Schwache unsichere Hunde reagieren schneller und extremer auf Provokationen, sie sind am "lautesten", reagieren oft unangemessen... Wie sieht der Hund einen Menschen, der ständig unbeherrscht herumbrüllt, ihn mit ewigem "Sitz", "Platz", "Fuß" anpöbelt und ihn versucht mit harten Strafen oder ständigen Gehorsamsübungen unterzuordnen? Sie können es sich sicher denken... Auch, wenn diese Hunde aus Angst parieren - ihr Vertrauen und ihren Respekt kann sich der Mensch so nicht verdienen!
Die Alphatiere sind also keine aggressiven Despoten, sondern "gute Vorgesetzte" und die Mitglieder des Rudels fühlen sich sicher aufgehoben. Übernehmen Sie diese Verantwortung und lernen Sie es, Ihren Job gut zu machen, dann haben Sie einen sicheren und selbstbewußten Hund an Ihrer Seite, der Ihre Entscheidungen nicht ständig in Frage stellt und der zuverlässig folgt.
Anders
geht es nicht! Es ist die Verantwortung eines jeden Hundebesitzers, diese
Aufgabe zu übernehmen, damit sein Hund nicht unter einer Diktatur oder
einer wohlgemeinten Demokratie leidet. Das tut er sonst ganz sicher!
Hundebegegnungen:
Begegnungen
zweier angeleinter Hunde :
Leider kann man das immer wieder beobachten: zwei Hundehalter kommen direkt
aufeinander zu und es ist ein "Dürfen die beiden sich mal beschnüffeln?"
zu hören. Vorher haben sich die beiden Hunde schon mit angespanntem
Körper und starrem Blick fixiert. Nun sollen sie sich an der straffen
Leine frontal gegenüberstehend freundlich begrüßen. Schnauze
an Schnauze, die Leine ist gespannt, die Hunde sind angespannt und beide
Hundehalter auch - das kann doch nur schief gehen! In dieser artfremden
Haltung, zu der die Hunde durch die Leine gezwungen sind, grenzt es an ein
Wunder, wenn nicht einer der beiden Hunde zum Angriff übergeht!
Menschen und Hunde haben bestimmte Begrüßungsrituale - diese sind jedoch ganz verschieden! Wir Menschen begegnen uns mit direkten Blickkontakt, gehen frontal aufeinander zu und stellen sofortigen Körperkontakt her (Händeschütteln). Fordern Sie diese menschlichen Benimmregeln nicht von Ihrem Hund - das kann er nicht leisten! Hundekontakte dieser Art sind absolut nicht artgerecht und haben oft ein böses Ende!
Selbst, wenn sich beide Hunde gut kennen, oder die Rangordnung eindeutig geklärt wurde, ist es nicht gerade angenehm für sie. Bei Unsicherheiten kann nicht ausgewichen werden, Spannungen können nicht durch Bewegung abgebaut werden usw. Die Leine verhindert die angemessene Umsetzung der Begrüßungsregeln unter Hunden und wird als starke Behinderung empfunden.
Diesen Konflikt, diese unangenehme Situation, bezieht der Hund mit der Zeit entweder auf das Angeleintsein, auf den Hundehalter, oder ganz schlimm: auf Hundebegegnungen im Allgemeinen! Auch, wenn Sie Ihren Hund ins "Platz" verdonnern, die Leine extrem kurz nehmen, ihn am Halsband zerren usw. dürfen Sie sich nicht wundern, wenn Ihr Hund mit der Zeit immer früher und heftiger auf Artgenossen reagiert!
Was
also tun?
Angenommen,
Sie sehen einen Hundebesitzer mit angeleintem Hund auf Sie zukommen. Achten
Sie ganz genau auf Ihren Hund! Nachdem er den Artgenossen erblickt hat,
aber bevor er darauf reagiert, stellen Sie ihm eine Aufgabe,
bei der er sich wirklich stark konzentrieren muss. Also nicht schon vorher
von der "Gefahr" ablenken und auch nicht warten, bis Ihr Hund
schon senkrecht in der Luft steht! Welche Aufgabe oder welche Übung
am besten geeignet ist, hängt von Ihnen und Ihrem Hund ab und ist
nicht ganz so entscheidend. Wichtig ist alleine das Timing! Dazu müssen
Sie die Körpersprache Ihres Hundes lesen können, sonst verpassen
Sie den entscheidenden Augenblick! In dem Moment, in dem der andere Hund
Sie beide passiert, gehen Sie zügig weiter und versuchen, den Blickkontakt
zu Ihrem Hund zu halten. Bleiben Sie ruhig und gelassen und gehen zielstrebig
voran, dann überträgt sich Ihre Sicherheit auf Ihren Hund. Haben
Sie es geschafft, seine Aufmerksamkeit zu halten, dann haben Sie sich
eigentlich ein Leckerli verdient - geben Sie es Ihrem Hund, denn er hat
ja auch etwas tolles geleistet! 
Haben Sie Probleme bei der Umsetzung, dann verzichten Sie auf alle verbalen Kommandos! Warum? Sich durch Körpersprache, Gesten, klare Zeichen... verständlich zu machen, fällt vielen Menschen schwer, denn Sie verlassen sich zu sehr auf Ihre Stimme. Oft wiederspricht sich das verbale Kommando mit den Körpersignalen. Wenn Sie z.B. "Bello, hier bei Fuß" sagen, Sie jedoch gleichzeitig den "Gegner" ängstlich fixieren, versteht Ihr Hund Sie nicht! Wie soll ein Hund ruhig sitzen bleiben, geduldig abwarten oder völlig unbeeindruckt andere Hunde passieren, wenn Herrchen/Frauchen nervös und zappelig neben ihm hergehen, an der Leine rucken und mit bebender Stimme irgend etwas vor sich herplappern? Oft höre ich: "Mein Hund versteht mich ganz genau!", doch das Verhalten des Hundes zeigt deutlich, dass es eben nicht so ist. Wenn Sie sich dazu zwingen, nicht mit dem Hund zu reden, dann müssen Sie Ihre Körpersprache bewußt einsetzen und haben so die Chance, diese auch deutlich anzuwenden!
Hundebegegnungen
ohne Leine:
Kontakte zwischen Hunden sollten immer ohne Leine stattfinden, damit die Hunde
auch angemessen miteinander kommunizieren können. Versuchen Sie vorher
die Aufmerksamkeit Ihres
Hundes zu erlangen und
ihm dann ein Startzeichen zu geben, sonst erziehen Sie sich einen Hund, der
auf alles losstürmt, was sich bewegt! Sollten
Sie erkennen, dass der fremde Hund unkontrolliert
bzw. frei herumläuft, oder sollte der andere Hund angestürmt kommen,
dann leinen Sie Ihren Hund auf jeden Fall ab! Reicht die Zeit dafür nicht
mehr aus, dann lassen Sie die Leine einfach fallen (nicht lange daran herumfummeln).
Wichtig ist, dass Sie nicht stehen bleiben und den Hunden wie ein Richter
bei einem Ringkampf zuschauen, sondern in Bewegung bleiben! Wenn
es kritisch wird, oder einer der Hunde den Kontakt beenden möchte, ist
das nicht möglich, wenn die Menschen wie angewurzelt drumherum stehen!
Hunde, die keine
Chance haben, normales Hundeverhalten zu lernen, weil ihre Besitzer
sie bei den kleinsten Anzeichen von Schwierigkeiten sofort auf den Arm nehmen,
Hundekontakte ständig
unterbrechen oder erst gar nicht zulassen, werden meist irgendwanngebissen
(oder beißen selber zu). Schuld ist dann nicht der andere "böse"
Hund, sondern der Hundebesitzer, der seinen Hund zu einem unsicheren aggressiven
Tyrannen erzogen hat, der mit seinen Artgenossen nicht zurechtkommt!

Zahlreiche Hundekontakte mit möglichst vielen verschiedenen Hunden schützen ihren Hund vor Beißereien, denn durch diese Begegnungen lernt er sich angemessen zu verhalten.