Erziehung, aber wie?
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Zubehör auf das Sie und Ihr Hund ganz sicher verzichten können:
Im Laufe der Zeit entstand ein riesiger Markt an Hunde-Zubehör und Spezial-Futtermitteln. Der Einfallsreichtum der Geschäftemacher kennt keine Grenzen und die ständig neuen Erfindungen werden mit haaresträubenden Verkaufsargumenten angepriesen. Irgendwo läßt sich immer ein Experte auftreiben, der die neue Ware als besonders sinnvoll empfehlen wird. So werden die Geldbeutel der Hundehalter geleert und die Kassen der Händler und Hersteller gefüllt! Seien Sie sehr kritisch!

Die "Flexi-Leine" schafft unsichere Hunde, denn sie bleibt ein unlösbares Rätsel für jeden Hund. Warum ist sie mal lang, mal kurz und läßt den Hund wie einen Flummi vor und zurück laufen? Mal wird das Ziehen belohnt, denn das Ding wird dadurch länger - mal wieder nicht! Verkaufsargument: sie gibt dem Hund mehr Freiheit. Wie soll das denn funktionieren? Läßt sie Zäune verschwinden und macht die Bürgersteige breiter? Damit läuft Ihr Hund lediglich in großem Abstand voraus - der Weg bleibt der gleiche. Tatsächlich sagen einige Hundebesitzer, die diese Dinger benutzen: "Mein Hund zieht so an der Leine, ich weiss auch nicht, warum.." Das haben sie ihm doch damit konsequent beigebracht!

Was macht ein "Erziehungsgeschirr"? Es gibt Geschirre zum Ziehen (z.B. den Schlitten oder Bollerwagen) und es gibt welche zur Sicherung des Hundes im Pkw. Ein Geschirr, das einen Hund erzieht bzw. ihm das Ziehen an der Leine abgewöhnt, gibt es nicht! Verkaufsargument: ein Geschirrchen ist ja so mild und angenehm! Ach, damit darf man dann schon mal kräftig zulangen, oder was? Zieht der Hund an der Leine, dann nicht, weil ihm das Halsband unangenehm ist, sondern weil der "Ballast" am Ende der Leine etwas in der Erziehung versäumt hat. Entscheidend ist also nicht, ob Halsband oder Geschirr benutzt werden, sondern lediglich, ob Sie mit der Leine korrekt umgehen können.

Kennen Sie den "Leg-Leader"? Sie binden sich die Leine um den Oberschenkel (natürlich nicht die bereits vorhandene, damit lässt sich kein Geld verdienen!). An dieser tollen Erfindung befestigen Sie nun ihren Hund und gehen zügig spazieren. Der Hund soll lernen, immer auf Höhe ihres Beines zu bleiben. Schade nur, dass die meisten Hunde das Vor- und Zurückzerren nicht verstehen und irgendwann mit aller Kraft versuchen, schnell weg zu kommen. Wollen Sie diese Konstruktion an Ihrem 40kg schweren Rottweiler ausprobieren, der schon an einer normalen Leine wie ein Irrer zieht, dann sagen Sie mir bitte vorher Bescheid - ich möchte soooo gerne zugucken!

Stromreizgeräte wie Teletakt, Dog-Control, Antibell usw. finden zur Zeit reissenden Absatz, obwohl die Verwendung gesetzlich verboten ist! Es ist wirklich unglaublich: betritt der Hund bestimmte Flächen ( vorher mit speziellen Matten präpariert), erhält er einen Stromschlag! Bellt er zu laut, zu lange oder überhaupt, zieht er an der Leine, oder hat er das Herankommen beim Abrufen nicht gelernt... drückt man aufs Knöpfchen! Elektroschock per Halsband und Sender statt Erziehung - die Dummheit und Arroganz mancher Menschen kennt keine Grenzen! Wer nicht dazu in der Lage ist, seinen Hund zu erziehen, sollte sich Hilfe suchen. Wer dazu keine Lust hat, schafft sich keinen Hund an! Lassen Sie sich nicht erzählen, diese Dinger verursachen dem Hund keine Schmerzen - wer einmal gesehen hat, wie gross der Schock eines Hundes nach nur einmaligen Kontakt mit einem elektrischen Weidezaun ist, der versteht, warum viele Hunde nach solchen Behandlungen schwer traumatisiert sind. Wie bitte, Sie machen keine Fehler bei der Erziehung Ihres Hundes, aber er will trotzdem nicht folgen, deshalb brauchen Sie so etwas? Dann an Ihren Hals mit dem Ding - ich drücke nur auf den Knopf, wenn Sie einen Fehler machen, versprochen! Hoffentlich halten die Geräte die Dauerbelastung aus..!

Clicker und Clicker-Trainingskurse: Kann eine gute Sache sein, wenn der Clicker nicht dazu missbraucht wird, um aus dem Hund ein dressiertes Äffchen zu machen. Verkaufsargument: "Clickertraining macht süchtig!". Das kann tatsächlich passieren! Es gibt Hunde, die so abhängig von Clicker, Ballwerfen oder Leckerlis gemacht werden, dass sie ihre Umwelt kaum noch wahrnehmen. Passen Sie also auf, dass Ihr Hund nicht ununterbrochen auf den Knackfrosch, den Ball oder das Leckerli in Ihrer Hand glotzt, sonst müssen Sie Ihm bei jedem Spaziergang einen Helm aufsetzen, weil er Hindernisse nicht rechtzeitig erkennt! Wollen Sie das Clickern ausprobieren, dann benutzen Sie Ihren kostenlosen Clicker: schnalzen Sie mit der Zunge! Immer, wenn der Hund etwas richtig macht und Sie anschaut, kommt ein "Klick" und ein Leckerli. Die Frage ist nur, warum ein Klick? Ihr Lob mit der Stimme ("fein!") ist tausendmal mehr wert!

Schokoladendrops als besonderes Leckerli: Kakao gehört für Hunde zu den giftigen Substanzen - und wird als Zusatzfuttermittel verkauft! Ihrem Hund ist es ganz bestimmt auch egal, ob die Leckerlis nach Indonesischer Zwergziege, Polnischer Mastgans oder Französischer Flugentenbrust schmecken. Hauptsache, sie schmecken und es gibt mal eins..! Die Wurst vom Discounter ist übrigens oft günstiger und bei Hunden viel begehrter...

Diese Aufstellung ließe sich endlos weiterführen! Es genügt ein gesunder Menschen- bzw. Hundeverstand um sich vor solchen Gaunereien zu schützen. Was Sie wirklich haben müssen, ist ein Halsband und eine Leine (nicht für die Erziehung, sondern weil es z.T. gesetzlich vorgeschrieben ist). Sinnvoll kann ein Ball oder Futterbeutel zum Apportieren, ein wenig Futter in der Jackentasche für besondere Leistungen und ab und zu ein einfacher Kauknochen für zu Hause sein.

Spielzeug ersetzt weder Sozialkontakte noch ist es ein Ersatz für Ihre Beschäftigung mit dem Hund. Kein Hilfsmittel erspart Ihnen die Hundeerziehung!